Zwischen den Stühlen..

Dass mir persönlich so etwas passiert, hätte ich mir nicht so schnell und kurzfristig vorgestellt. Mehrere Jobangebote binnen 7 Tagen. Wie kam es zu dieser Situation wird sich der geneigte Leser jetzt fragen?

Am Ende des Coronajahres 2020 habe ich zusammen mit einem besten Freund meine kompletten Bewerbungsunterlagen einmal auf den Kopf gestellt. Die Ausgangssituation war zwar ansich nicht schlecht, aber es ging noch besser. So haben wir uns zusammengesetzt und den Lebenslauf Moderner gestaltet und auch die Hard Skills nochmals einer sehr harten Überprüfung unterzogen. Dabei ist bestimmt die hälfte rausgeflogen. Dann haben wir alles vereinheitlicht. Grafisch aufeinander aufgebaut, vorher war es sehr minimalistisch gehalten. Jetzt moderner und aufgelockerter, echt nice, muss man ehrlich gestehen.

Auch das Anschreiben musste zum großen Teil dran glauben, so haben wir uns viel Miteinander ausgetauscht und dann einfach mal chronologisch einen Text aufgesetzt. Den wir bis auf das nötigste heruntergekürzt haben. Letztendlich blieb es bei der gleichen Anzahl an Gesamtseiten, aber der Eindruck suggerierte hier, das es viel weniger Text lastig war. Diese Lockerheit und moderne führte dann auch dazu, das immer mehr Vorstellungsgesprächsanfragen bei mir ankamen. Bei 30 Bewerbungen hatte ich satte 20 Rückmeldungen binnen 48 Stunden. Sonst waren es, wenn es hochkommt bei der gleichen Zahl an Bewerbungen als Richtschnur nimmt, etwa zwei oder drei Rückmeldungen.

Ja, und somit sass ich dann etwa 4 Wochenlang non stop vor dem Rechner in Videocalls. Teilweise waren es 3 Gespräche pro Tag. Dies bedeutete auch, dass ich vorher noch Rechercheaufgaben vor mir hatte, um auch wirklich über die Unternehmen ein genaueres Bild zu haben und es auch so wiedergeben konnte. Was bemerkenswert war, ist das die privatwirtschaftlichen Unternehmen alle ohne Ausnahme die Vorstellungsgespräche digital durchgeführt haben. Die nicht digitalen Gespräche wurden ausgerechnet von öffentlichen Einrichtungen egal ob Landes- / Bundesebene ausschließlich Vorort durchgeführt wurden. Da schreckt man doch sehr auf, wenn man so die Regierung hört, dass möglichst solche Termine digital durchgeführt werden sollen aber selbst das überhaupt nicht machen. Dazu kommt in meinem Fall ja auch noch dazu, dass ich hier ein Hochrisiko Säugling zu Hause habe, welches noch an zwei Maschinen hängt und meine Lebenspartnerin durch Ihre chronische Erkrankung auch zu den Risikopatienten zählt.

Ich kann das einfach nicht nachvollziehen! Das eine Predigen, aber das andere Machen. Das genau von der Seite, die uns dazu mehr oder weniger zwingt, im Homeoffice zu arbeiten, aber es selbst in Ihren Behörden sträflich nicht durchsetzt und macht.

So zurück zu dem eigentlichen Punkt. Nach etwa vier Wochen hatte ich dann mehrer Job Zusagen schriftlich und mündlich auf meinem Tisch liegen. Was machen? Ich für meinen Teil stand vor einer sehr schwierigen Entscheidung. Bei zwei Unternehmen habe ich ohne groß nachzudenken abgesagt, da es fachlich und finanziell Überhaupt nicht wirklich passte. Damit waren noch zwei Unternehmen im Spiel. Vier Tage habe ich mich damit auseinandergesetzt, auch in meinen Träumen und Gedanken. Wie bin ich letztendlich zu einer Entscheidung gelangt, wird sich der eine oder andere Fragen?

Erst einmal ganz klassisch eine Pro und Kontra Liste angelegt, dann dagegen die fachlichen Anforderungen gegenübergestellt und ganz zum Schluss den finanziellen Aspekt. Tja, und da fing es dann richtig an, ungemütlich zu werden. DA ich nicht nur bis zu dem Tellerrand schaue, sondern auch darüber hinaus, habe ich auch noch meine berufliche Zukunft mit eingeschlossen. Wo möchte ich in 10 Jahren sein? Möchte ich den direkten Kundenkontakt oder doch lieber in der Projektebene tätig sein. Und genau dieser Punkt war dann auch wirklich ausschlaggebend! Nicht das Gehalt, das sich Unterschied, nicht die Anzahl der Urlaubstage, nein, meine Zukunft, wo möchte ich für mich hin und nicht für andere.

Nachdem ich dann noch einmal eine Nacht darüber geschlafen habe, fühlte sich auch mein Bauch ganz wohl mit der Entscheidung. Vorher sagte mein Kopf, wo es lang ging, aber man sollte beides miteinander in Einklang bringen. Die eigenen Gefühle, / Emotionen und auch die logische Komponente der Kopf sollte oder vielmehr muss im Einklang sein. Was sonst würde es bringen, dann wieder binnen Kürzesterzeit innerlich den Job zu Kündigen. Rein gar nichts, um ehrlich zu sein.

Um fair mit beiden Unternehmen umzugehen, habe ich mir vorher noch einen Briefentwurf gemacht, wo ich mich für das entgegengebrachte Vertrauen, die Gründe und einen Dreizeiler mit entschuldigenden Worten niedergeschrieben habe und für die bis dahin erbrachte Eigenleistung des Unternehmens bedankte. An dem Abend, als ich dann auch wirklich den einen Arbeitsvertrag fest hatte, habe ich dann auch überlegt, ob ich es per Mail und oder beides mache. Also telefonisch und mit der anderen Hand dann schon auf Absenden am Rechner sitze. Ich habe Ersteres gemacht. Am Abend eine nette Mail aufgesetzt und an meinem Ansprechpartner versendet mit dem Brief in PDF. Am nächsten morgen rief mich das unterlegende Unternehmen nochmals an, aber leider und das ist wirklich ehrlich so passiert habe ich den Anruf zu spät mitbekommen. Leider kam auch nichts per Mail zurück an diesem Tag, schade aber auch ok.

UPDATE: Mail kam Abends dann doch noch :).

Seit immer so fair und schreibt einen Brief, damit Ihr auch wenn Ihr eine Absage versendet, einen gewissen geradlinigen Stil zeigt. Denn wie sagt man treffend meist „Man sieht sich immer zweimal im Leben“, gerade in kleinen Branchen.